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Probiotika 101

Schenke Deinem Darm etwas Aufmerksamkeit, es wird sich lohnen!

Das Mikrobiom – das Universum in uns

Es gibt etwa 250 Milliarden Sterne in unserer Milchstraße, eine unvorstellbare Menge – aber glaube mir, das ist nichts im Vergleich zu dem Universum in uns. Wir sind Gastgeber von 38 Trillionen (!) Mikroorganismen. Diese nennt man “Das Mikrobiom”. Betrachtet man es auf Zell-Ebene, so machen diese 50% von uns aus und zusammengenommen wiegen die Mikroorganismen 2-3 Kilo!

Der größte Teil lebt in unserem Darm und bildet das Darm-Mikrobiom. Dort helfen die Mikroorganismen bei der Verdauung und regulieren unseren Stoffwechsel. Aber es gibt auch Mikrobiome im Mund, in der Vagina und auf der Haut. Diese helfen z.B. bei der Reparatur von Gewebe und bei der Immunfunktion der Haut. Das Magen-Darm-System ist im Körper mit allem verbunden und beeinflusst alles – vom Stoffwechsel- und Darmimmunfunktion bis zur Herz-, Haut- und urogenitalen Gesundheit.

Das Verhältnis von guten vs. „bösen“ Bakterien entspricht in einem gesunden Darm etwa 5 zu 1. Das ideale Mikrobiom gibt es aber wahrscheinlich nicht. So vielfältig wie wir sind, so vielfältig sind auch unsere Mikrobiome, und das aus gutem Grund. Jedes Mikrobiom ist absolut einzigartig und verändert sich ständig. Externe Faktoren wie Ernährung, Bewegung, Medikamente und sogar Schlaf können die Zusammensetzung Deines Mikrobioms täglich beeinflussen. Eine große Diversität an Stämmen im Mikrobiom spielt eine große Rolle für die Gesundheit.

Die Frage ist daher also: Was bringt das Mikrobiom in Gefahr, schädigt es und bringt die fragile Balance aus Gut und Böse zum kippen?

Die wichtigsten Einflussfaktoren haben wir hier aufgelistet.

Was bringt das Mikrobiom in Gefahr?

• Antibiotika – denn sie töten nicht nur böse sondern auch nützliche Bakterien
• Medikamente
• Das Chlor in unserem Trinkwasser (ja, aus Hahn UND Flasche) – und auch das im Schwimmbad
• Nahezu alle Fleisch- und Milchprodukte
• Eine fleisch- und fettbetonte Ernährung, weil sie das Wachstum von schädlichen Bakterien fördert
• Verstopfung, weil die schädlichen Bakterien dadurch zu lange im Darm bleiben und sich dort zügellos vermehren können
• Gifte wie Zigaretten und Alkohol
• Junkfood mit viel Zucker, Fett und Konservierungsstoffen
• Stress, denn das vegetative Nervensystem kontrolliert die Funktion des Darms und führt dann zu Durchfall oder Verstopfung
• Strahlung und Chemotherapie

Symptome einer gestörten Mikrobioms

• Blähungen
• Übelkeit, Erbrechen
• Bauchschmerzen
• Häufiger Durchfall
• Verstopfung
• Krämpfe im Bauchbereich
• Mangelerscheinungen, insbesondere von Vitaminen
• Migräne

Probiotika erklärt

Die natürlich vorkommenden nützlichen Bakterien, die unser Mikrobiom ausmachen, werden Probiotika genannt. Die Definition der World Health Organisation (WHO) für Probiotika lautet  “Probiotika sind lebende Mikroorganismen die, in ausreichender Menge verabreicht, dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen bringen”.

Wenn Du Dich jetzt also fragst, ob bestimmte Lebensmittel probiotisch sind, dann kann man das laut dieser Definition nur verneinen. Denn nur weil ein Lebensmittel lebende Mikroorganismen enthält, z.B. Joghurt, Kimchi oder Kombucha, ist es nicht gleich probiotisch. Es werden darüber zwar gutartige Bakterien aufgenommen, aber welche Stämme, in welchen Mengen? Werden diese die saure Reise durch das Verdauungssystem überleben? Wurden diese Stämme daraufhin untersucht, was sie tatsächlich in den Körper bewirken?

Damit es einen probiotischen Effekt gibt, müssen aber die richtigen Stämme in ausreichender Menge verzehrt werden, und sie müssen die vielen Stufen der Verdauung überstehen (vorbei an Magensäure und Galle), um es in den Dickdarm zu schaffen. Und hier kommen probiotische Supplements ins Spiel.

In Deutschland darf man übrigens den Begriff „Probiotika“ nicht für Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel verwenden, da er aus Sicht des Gesetzgebers eine nicht zugelassene gesundheitsbezogene Aussage darstellt. Die Begriffe „probiotisch“ und „Probiotika“ sind daher auf Lebensmitteln und Nahrunsgergänzungsmitteln nicht mehr zu finden.

Die Vorteile von Probiotika

Die Vorteile von je nach Gattung und Stamm. Einige Vorteile sind jedoch häufiger als andere und können von einer breiten Gruppe von Probiotika und Präbiotika erwartet werden.

Probiotika hemmen das Wachstum von schädlichen Keimen

Im Darm, in der Vagina und an allen anderen Orten in unserem Körper, wo sich gern alkali liebende, krankheitserregende Bakterien ausbreiten möchten, schaffen Probiotika ein saures Milieu. Dieses hält die Keime davon ab, sich zu entwickeln.

Probiotika stärken die Darmbarriere

Die gutartigen Bakterien produzieren kurzkettige Fettsäuren, die die Darmschleimhaut stärken und teilweise eine entzündungshemmende Wirkung über den Darm hinaus haben. Sie arbeiten eng mit den “Gatekeepern” des Darms zusammen, um zu bestimmen, was in den Körper gelangen darf und was nicht.

Probiotika unterstützen die Darmperistaltik

Bestimmte probiotische Bakterien produzieren Neurotransmitter, die die Muskelkontraktionen des Darms stimulieren.

Probiotika unterstützen die Verdauung

Wenn wir essen, produzieren bestimmte Probiotika Enzyme, die komplexe Kohlenhydrate (z.B. Ballaststoffe) aufspalten, die wir sonst gar nicht verdauen könnten.

Probiotika unterstützen das Immunsystem

Die gutartigen Bakterien reduzieren oxidativen Stress (Ungleichgewicht zwischen freien Radikalen und entgiftenden Antioxidantien) und steuern die Produktion von regulatorischen T-Zellen (diejenigen, die Deinem Körper helfen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden).

Probiotika produzieren Vitamine

Die essentiellen Vitamine B und K werden von Probiotika produziert.

Probiotika schützen den Urogenitaltrakt

Probiotika machen es E. coli und anderen Eindringlingen im Urogenitaltrakt schwer. Sie  gleichen bei Frauen den pH-Wert in der Vagina aus und schützen vor unerwünschten Hefepilzen wie z.B. Candida im Vaginalbiom.

 

Präbiotika erklärt

Die offizielle Präbiotikadefinition beschreibt ein Präbiotikum als “ein nicht verdaulicher Nahrungsmittelbestandteil, der sich vorteilhaft auf den Wirt auswirkt, indem er selektiv das Wachstum und/oder die Aktivität einer oder einer begrenzten Anzahl von Bakterien im Dickdarm stimuliert und so die Gesundheit des Wirts verbessert.”

Präbiotika sind Pflanzenfasern, z.B. Inulin, die unverdaut den Dickdarm erreichen und dort von probiotischen Bakterien fermentiert und in kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, Acetat und Propionat aufgespalten werden. Präbiotika dienen also quasi als Futter für die Probiotika und sorgen für deren Wachstum.

 

Die Darm-Hirn-Achse

Wissenschaftler entdecken ständig neue Zusammenhänge zwischen unserem Mikrobiom und unserer Gesundheit. Die Darm-Hirn-Achse (GBA) beschreibt eine wechselseitige Kommunikation zwischen Gehirn und Darmfunktionen. Ein verstimmter Darm kann Signale an das Gehirn senden, genauso wie ein verstimmtes Gehirn Signale an den Darm senden kann. Daher können Magen- oder Darmbeschwerden einer Person die Ursache oder das Ergebnis von Angst, Stress oder Depression sein.

Neue Erkenntnisse um die Darm-Hirn-Achse deuten darauf hin, dass unsere Darmflora sogar unsere Stimmung, unseren Appetit, unser Verhalten und unseren zirkadischen Rhythmus beeinflussen kann. Dinge, von denen wir dachten, dass sie nur im Gehirn stattfinden

 

Die Darm-Haut-Achse

Das Magen-Darm-System steht im Mittelpunkt Deines Körpers und ist mit allem verbunden,  beeinflusst alles, von der Stoffwechsel- und Darm-Immunfunktion bis hin zur Hautgesundheit. Forscher haben bereits nachgewiesen, dass Bakterien Einfluss auf Hauterkrankungen wie Rosacea und Akne durch die sogenannte “Darm- Haut-Achse” haben.

Demnach verursacht Stress oder die Kombination aus Stress mit dem vermehrten Verzehr verarbeiteter Lebensmittel eine Verlangsamung der Verdauung. Durch diese Verlangsamung können sich schädliche Bakterien stärker vermehren und die Durchlässigkeit der Darmwand wird erhöht, sodass diese die Darmwand passieren können.

Der Verlust des normalen mikrobiellen Biofilms führt zu einer Durchlässigkeit des Darms, einer Zunahme von Endotoxinen, Entzündungen und oxidativem Stress. Dadurch wird eine sogenannte “systemische Entzündung” im ganzen Körper verursacht.

Systemische Entzündungen sind niedrigschwellige Entzündungen, die nicht lokalisiert werden können und die zu unspezifischen Symptomen führen. Einige davon zeigen sich auf der Haut. Bei empfindlichen Personen löst diese Kaskade Hautbeschwerden (Allergien, Talgüberschuss) aus.

Die besten probiotischen Stämme für die Haut

Das, was Du isst, hat also großen Einfluss auf das Aussehen Deiner Haut. Auch bestimmte Probiotika, die Du einnimmst, können einen Einfluss auf Deine Haut haben. Hier eine Übersicht der wissenschaftlichen Studienergebnisse zu bestimmten probiotischen Bakterienstämmen und ihre Wirkung bei bestimmten Hautproblemen.

Akne

Die geschädigte, undichte Darmwand steht in direkter Verbindung zu Akne. Menschen mit Leaky Gut  haben eher Akne, oft in Verbindung mit Depressionen und Angstzuständen. Eine Studie mit über 13.000 Jugendlichen zeigte auch, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen deren Akne-Erkrankung und Symptomen wie Verstopfung, Blähungen, Mundgeruch und Magen-Reflux existiert.

Insbesondere die Stämme Lactobacillus acidophilus und Bifidobacterium lactis ließen in Studien bei den Probanden die Akne besser abheilen und die Behandlung mit Antibiotika besser durchstehen. Studien mit dem probiotischen Lactobacillus rhamnosus zeigten, dass dieser Stamm die Expression bestimmter Gene normalisiert, die an den Insulinsignalwegen beteiligt sind. Dadurch wird das Erscheinungsbild von Akne deutlich verbessert. Probiotika können zudem die Anzahl der Akne Erreger auf der Hautoberfläche verringern und die Produktion von gesunden Ceramiden anregen, die zu einer gesunden Hautbarriere beitragen. Das ist auch bei Nebenwirkungen von Akne-Therapien, hilfreich, die häufig die Haut austrocknen.

 

Rosacea

Inzwischen ist bekannt, dass eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms (SIBO) mit Rosacea zusammenhängt. Wenn Menschen, die Rosacea seit Jahren haben, gegen SIBO behandelt werden, verschwindet die Rosacea oft. Eine Studie konnte nachweisen, dass eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms (SIBO) bei Menschen mit Akne Rosacea zehnmal häufiger vorkommt als bei gesunden Menschen.

Leider wurde SIBO erst 2004 entdeckt und viele Menschen litten bis dato an Rosacea, ohne zu wissen, dass die Ursache ihres Problems auch ihr Darm sein könnte. Und viele Menschen wissen bis heute noch nicht über diesen wichtigen Zusammenhang Bescheid.

Zöliakie und Dermatitis herpetiformis
Dermatitis herpetiformis ist eine chronische, blasenbildende Hauterkrankung, die mit starkem Juckreiz einhergeht. Dieser Hautzustand tritt interessanterweise bei 25% aller Zöliakie-Patienten auf. Zöliakie-Patienten bekommen auch öfter Mundschleimhauterkrankungen wie Aphten, Haarausfall (Alopezie) und die Weißfleckenkrankheit Vitiligo.

All dies sind Hauterkrankungen, die ebenfalls die Theorie der Darm-Haut-Achse in unserem Körper stützen.

Ekzeme, Neurodermitis
Es wird vermutet, dass eine reduzierte Keimbelastung im frühen Lebensalter mit der Zunahme von allergischen Erkrankungen in den Industrieländern in Verbindung steht. Einige Studien haben darauf hingewiesen, dass Probiotika bei der Prävention von Ekzemen wirksam sein können. Eine Supplementierung mit den Probiotika Lactobacillus acidophilus, Bifidobacterium bifidum und Bifidobacterium lactis vor und nach der Geburt ist z.B. ein wirksamer Ansatz zur Verhinderung von Ekzemen und Neurodermitis bei Säuglingen. Eine andere Studie fand heraus, dass die Supplementierung mit dem Probiotikum Lactobacillus fermentum Neurodermitis bei kleinen Kindern mit mittelschwerer oder schwerer Erkrankung hilft, die juckende, schuppige Haut zu verbessern.

In einer Studie mit 107 erwachsenen Probanden mit Neurodermitis verringerte die Einnahme eines Probiotikums mit Lactobacillus rhamnosus und Bifidobacterium lactis signifikant den Schweregrad der Neurodermitis (bestimmt durch den SCORAD-Index) nach 2 und 4 Monaten. Darüber benötigten die Probanden weniger Medikamente (Kortikosteroide, Antihistaminika und Calcineurin-Inhibitoren).

Hautalterung
Die Verwendung von Probiotika zum Schutz der Haut vor den Auswirkungen des Alterns ist ein spannendes neues Gebiet, das vielversprechend ist. Alterung ist ja ein komplexes Zusammenspiel zwischen inneren Faktoren (genetische und hormonelle Einflüsse) und äußeren Faktoren (z.B. UV-Licht, Luftverschmutzung, Infektionen, Rauchen). Wenn wir altern, erhöht sich der pH-Wertes der Haut und sie verliert gleichzeitig mehr und mehr die Fähigkeit, freie Radikale zu neutralisieren.
Freie Radikale schädigen zelluläre Strukturen wie DNA, Lipide und Proteine (z.B. Collagen). Hier können probiotische Bakterien ansetzen, denn sie können den pH-Wert der Umgebung verringern und so den normalen, jugendlicheren pH-Wert der Haut und damit auch ihre jugendlichere Beschaffenheit wiederherstellen. Lactobazillen können außerdem starke Radikalfänger (Superoxid-Dismutase) produzieren und so Schutz gegen freie Radikale und ihr zerstörerisches Werk bieten. Dieses Thema ist spannend, braucht aber auf jeden Fall noch mehr Forschung.

Worauf Du beim Kauf eines probiotischen Supplement unbedingt achten solltest und wie Du die Etiketten verstehst, haben wir in diesem Artikel zusammengestellt: Darauf solltest Du bei einem Probiotikum achten.

Probiotika  bei Darmproblemen
Eine Studie fand heraus, dass die Probanden, die mit den gemischten probiotischen Stämmen L. plantarum LP01 und B. breve BR03 oder B. animalis subsp. lactis BS01 behandelt wurden, eine signifikante Verbesserung der Anzahl der wöchentlichen Stuhlgänge und der Hauptbeschwerden im Zusammenhang mit der Entleerung, insbesondere der Konsistenz des Stuhls und der Leichtigkeit der Ausscheidung hatten. Beschwerden wie Blähungen im Bauchraum und anales Jucken, Brennen oder Schmerzen zeigten ebenfalls eine relevante Verbesserung in den aktiven Gruppen, die Probiotika erhielten.
Schlussfolgerungen: Die Einnahme einer wirksamen Menge einer Mischung aus L. plantarum LP01 und B. breve BR03 oder B. animalis subsp. lactis BS01 über einen Zeitraum von 30 Tagen ist in der Lage, Entleerungsstörungen und harte Stühle signifikant zu lindern (zu finden z.B. in Love Your Gut Daily Biotic Komplex)

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